Fotos: W. Broemser
Mosellum Erlebniswelt Fischpass, Koblenz
Planung: von Canal Architekten und Ingenieure (Koblenz)
Bauzeit: 2010-2011
Architekturen // Fischpass
Im ersten Winterhalbjahr nach
der Eröffnung des Besucher-
zentrums wurden rund 2800
aufsteigende Fische registriert,
hauptsächlich Ukelei, Fluss-
barsch und Rotauge. Der erste
aufsteigende Lachs passierte
die neue Fischtreppe im März.
Von April an dürften die Zahlen
deutlich zunehmen, da die
Hauptaufstiegszeit im Frühjahr
beginnt.

>> www.mosellum.rlp.de
"Wir müssen alle sterben, Bruder, ob mit Spaß oder ohne."
Fischpass
Bauspiele
Militärhistorisches Museum
Tagungszentrum
Schlosshotel
Schiefermahlwerk + Kulturhaus
Universitätscampus
Evangelische Freikirche
Grimm-Zentrum
Regionale Schule
Bürohaus Dockland
Vinothek
Neue Synagoge
Hummerich-Halle
Food Hotel
Forum Confluentes
Mehrgenerationenhaus
Steinskulpturen-Museum
Ausflugsrestaurant
Lava Dome
Impressum
Im Zoo |
Unten |
Das Allerletzte |
Oh, lovely moon |
Start |
Mosellum Fischpass
Peter-Altmeier-Ufer 1
56068 Koblenz

Öffnungszeiten:
di - so 10 - 17 Uhr
Das Wandern ist des Müllers Lust - und der Wanderfische Last.
Denn die Rückkehr etwa der Lachse an den Ort ihrer Geburt zum
Zweck der Fortpflanzung ist ein kräftezehrender Hindernisparcours,
der sie vom Meer weit ins Binnenland führt. Gefräßige Bären
schnappen sich die schmackhaften Heimkehrer aus den Flüssen in
Kanada oder Alaska. Dieses Schicksal blüht den Lachsen in der Mosel
zwar nicht. Doch stellen die Stauwehre zwischen Koblenz und Trier
eine oft ebenso tödliche Gefahr dar. Sie erschweren den Fischen  
die Reise zu ihren Laichgebieten flussaufwärts, besonders in die
Salm, extrem. Die größte Bedrohung aber ist die Überfischung der
Meere, die die Lachse an den Rand des Aussterbens gebracht hat.

Eine der modernsten Fischtreppen

Um den Aufstieg zu den Nebenflüssen der Mosel zu erleichtern,   
will die rheinland-pfälzische Landesregierung die Stauanlagen der
Mosel mit neuen oder umgebauten Fischpassagen ausstatten. Den
Anfang machte die erneuerte Fischtreppe in Koblenz. 39 anstei-
gende Becken eines Strömungskanals helfen den Tieren, die Stau-
stufe in Ufernähe zu überwinden. Außerdem finden sie den Eingang
leichter als bei der alten Passage. Laut dem Bauherrn, der Struktur-
und Genehmigungsdirektion Nord, handelt es sich bei der neuen
Treppe um eine der modernsten Fischwechselanlagen Europas.

Infozentrum mit Schuppenhaut

Die Passage ist Teil des neuen Besucherzentrums Mosellum Fisch-
pass an der Koblenzer Moselstaustufe. Der mit einer metallenen
Schuppenhaut verkleidete Neubau war beim diesjährigen "Tag der
Architektur" eine der Hauptattraktionen. Die Besucher können sich
auf vier barrierefrei miteinander verbundenen Stockwerken über die
Schifffahrt, die Stromerzeugung und die Fischwanderungen im
Moseltal informieren. Dabei stehen die Lebenszyklen von zwei der
prominentesten Wanderfische, Lachs und Aal, im Mittelpunkt.
"Grünes Klassenzimmer" unterm Dach

Das neue Infozentrum wurde als Sichtbetonbauwerk mit Edelstahl-
schuppen gestaltet. Drei große Fenster im Untergeschoss geben  
den Blick auf wandernde Fische unter Wasser frei. Von der Dach-
terrasse fällt der Blick auf die Becken der Fischpassage, darunter  
ein Fang- und Zählbecken. Das Ausonius-Studio im Dachgeschoss -
benannt nach dem spätantiken Dichter, der in seinem Gedicht
Mosella die Mosel besang* - steht als "Grünes Klassenzimmer"
Schulklassen zur Verfügung, die hier naturnah lernen können.

Das für mehrere Millionen Euro errichtete Gebäude ist ein Niedrig-
energiehaus, das die die Anforderungen der aktuellen Energie-
einsparverordnung um 72 Prozent unterschreitet. Über eine in den
Fischpass integrierte Turbine werden rund eine Million kWh Strom
pro Jahr erzeugt und ins öffentliche Netz eingespeist - eine Energie-
menge, die für das Mosellum und gut 250 Haushalte ausreicht. 
Dieses Haus macht die Fische froh und die Menschen ebenso.
39 Stufen zum Überleben
"Doch den in einem fort angespannten Augen lassen keine Ruhe durch ihr Gewimmel/die miteinander spielenden Fische, glitschige Schwärme."
                                                         
Ausonius, Mosella (deutsch von P. Dräger)                                                                                                                                                        
* Dabei beschrieb er schon vor über 1600 Jahren das Phänomen der Wanderfische   
("die Trupps, die flussaufwärts rücken"). Die Faszination, die die Schönheit des Mosel-
tals in Ausonius auslöste, schärfte gewiss seine Beobachtungsgabe und erfüllt die
Mosella mit "einem für die Antike einzigartigen Naturgefühl" (P. Dräger).
"Alles nur, damit Fische laichen können - die haben doch gar keinen Spaß dabei. Und anschließend sterben sie auch noch!"
"Und was bleibt von uns?" - "Nichts." - "Besser als gar nichts, würde ich sagen."  "So denken wir erst, seit wir sprechen können."
Tumult im Treppenhaus