"Der Kreis galt als die edelste und vollkommenste architektonische Form" (R. Schlenker).
Die schönsten Beispiele - auf der Erde - liefern die Rotunde des Pantheons in Rom, der Kuppelsaal der Villa
Rotonda von Andrea Palladio oder die Kuppeln berühmter Kirchen (Petersdom, Dom in Florenz, die
Dresdner Frauenkirche, St. Paul's Cathedral).
Frau Luna - magische Architektur am Himmel
© Luc Viatour
...als hätte ein Grand Designer seine Gestaltbildung künstlerisch überwacht.
Wegen seiner Nähe zur Erde ist der Mond der einzige Himmelskörper, dessen
Oberfläche wir mit bloßem Auge erkennen können. Hoch steht er, aber nicht zu
hoch, und scheint in einem entrückten Silbergrau. Zu ihm lässt sich aufblicken,
weil er nicht blendet wie die Sonne. Edel wirkt er und ist doch der treue
Kamerad, der uns immer begleitet. Ungeachtet seiner kalten Ausstrahlung
weckt er in uns warme Gefühle. Das Hohe, Runde, Leuchtende verzaubert den
Betrachter - könnte so nicht auch unser Leben sein, in eine Form gebracht,
erhöht und leuchtend? Die Schönheit der (Himmels-)Dinge wirkt wie ein
Versprechen, dass auch das eigene Geschick einmal gelingen möge. Nicht
zufällig wird der Erdtrabant als Führer in der Finsternis beschworen, als
Kraftquelle meditativer Versenkung, die einen rüstet für den Tag.
© Luc Viatour
Schnitt: My home is my castle - even on the moon!
Die Grafik einer US-Mondbasis von 1995 zeigt ein lunares Bergwerk, das Sauerstoff aus dem Vulkanboden des Erdtrabanten fördert. In dem Abraum enthaltene Metalle wie Eisen, Aluminium, Magnesium und Titan könnten vor Ort in einem Hüttenwerk geschmolzen oder in Containern, von einem Massetreiber beschleunigt, zur Erde geschossen werden.                                                  © NASA                                                                                                                                                                                             
"Auf dem Mond liegen die vielleicht begehrenswertesten Grundstücke des Sonnensystems." (P. M. Magazin 05/2010)
Die Oberfläches des Mondes enthält große Mengen mineralischer Rohstoffe,
die für irdische Industrien wichtig sind. Besonders erpicht sind die
Weltraumnationen auf das im Mondgestein enthaltene Helium-3, das sich als
sauberer, nicht radioaktiver Energierohstoff für die Kernfusion eignet. "Ein
paar Raumschiffladungen Helium-3 würden den globalen Strombedarf für ein
Jahr decken" (P. M. Magazin 05/2010). Vorausgesetzt, der Mensch findet
endlich heraus, wie man einen Fusionsreaktor baut.
Platzhirsche auf dem Mond sind die Amerikaner, die dem Trabanten
bekanntlich als erste einen Besuch abstatteten (was nichts daran ändert, dass
der Mond der gesamten Menschheit gehört). Sie wollen bis 2020 auf das
Gestirn zurückkehren und ab 2024 eine permant bemannte Kolonie am
lunaren Südpol unterhalten. Roboter sollen nach Helium, Phosphor und
Uranium schürfen, unterirdische Wasser- und Sauerstoffvorkommen das
Überleben der Mondbewohner sichern. Zum Schutz vor Strahlung und
extremen Temperaturen werden die Astronauten in einem sogenannten
Wohnhabitat leben: einer aufblasbaren, leichten, haltbaren und mobilen
"Immobilie", die modulartig erweitert werden kann. Der britische
Berufsvisionär Arthur C. Clarke (Namensgeber des Clarke Belt; Drehbuchautor
von 2001 - Odyssee im Weltraum) beschrieb dieses Wohnkonzept schon vor
Jahrzehnten.
Prototyp des aufblasbaren Mondhabitats der Nasa. Tunnel mit Luftschleusen verbinden die einzelnen Module.                                                                                                                                                         © NASA                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  
"Ohne die blöde Erde könnte ich bis zum Mond hüpfen!"                                                                                                                                                                           
"Das Habitat der Think-big-Mission sieht zwar aus wie eine aufblasbare Hüpfburg für
Kinder, hat es aber in sich: Es ist geheizt, isoliert, erzeugt seinen eigenen Innendruck und
liefert den Bewohnern Strom. Mit immerhin gut 35 Quadratmetern Fläche und einer
Deckenhöhe von zweieinhalb Metern am höchsten Punkt bietet es auch mehreren Astronauten
Platz. Und es ist mobil: Das Habitat kann mehrfach abgebaut und wieder aufgestellt werden,
vier Crewmitglieder brauchen gerade mal ein paar Stunden dafür. Damit erlaubt es die
Erkundung auch über das ursprüngliche Landegebiet hinaus."
(Scinexx. Das Wissensmagazin, 27.06.2008)
Parallelen zu lunaren Modulbauten bieten die "Smart Houses" und "Flying
Spaces" auf der Erde: mobile Häuser für Singles und Paare, ursprünglich
aus den USA stammend, die von deutschen Fertighausherstellern optimiert
wurden. Sie können jederzeit auf- und wieder abgebaut werden und ihren
Besitzern hinterher reisen. Sie sind das Gehäuse des unsentimentalen
Karrieristen und Eroberers - auf der Erde und zukünftig auch jenseits von
ihr? Mobile Immobilien evozieren eine nomadische Mentalität, die ein
Auswandern auch ins All immer plausibler macht. Die Nasa unterstützt
bereits private Firmen dabei, Technologien für bemannte Flüge ins All zu
entwickeln. Irgendwann wird es Umzugsfirmen geben, die ein
weltraumtaugliches Smart House aus Mettmann oder München mitsamt
den Bewohnern in das Mare Serenitatis auf dem Mond schießen. Die Space-
Migranten haben dort ein Erbpacht-Grundstück von der UNO als formellem
Mondbesitzer erworben, anfangs vielleicht noch mit jährlichem
Rückgaberecht...
Schneckenhaus am Haken: Ein Kran stellt einen Wohnwürfel mit bodentiefen Fenstern und Holzlamellen-Fassade ab. Das Zuhause irdischer Reisender wird innerhalb eines Tages installiert und an sämtliche Leitungen angeschlossen (auf dem Mond geht es kaum schneller). Die Wohn- oder Büromodule können bausteinartig erweitert und gestapelt werden.                                                                                             © SchwörerHaus                                                                                                                                                                                                                   
"Was bläst der
Sonnenwind wieder
so stark..."
Nichts ist unmöglich - Schweden sei Dank! Ein Künstler aus dem Ikea-
Land hat ein rotes Mondhäuschen kreiert und für die Baukosten  (schlappe
56 Millionen Euro) zahlreiche Sponsoren gewonnen. Die Hütte besteht aus
faltbarem Ultraleicht-Material, das sich nach der Landung zu voller Größe
aufbläst und im UV-Licht der Sonne nachhärtet. In dem Kabuff soll ein
Roboter sitzen und Experimente durchführen. Eine russische Trägerrakete
könnte das zehn Quadratmeter große Ding ins All befördern. Und wenn
dem Roboter der Hüttenzauber gefällt, warum nicht auch Menschen?
Underbart, Sverige!

Neue Wohntrends formen All-Migranten
Auch der Mond hat eine scheinbar vollkommene Form...
"Think big"
Hüpfburg mit kleinen Extras
Hüttenzauber aus Bullerbü ?
Wohnst du noch terrestrisch oder lebst du schon lunar?
"Rühmann, bäh!
Der kommt nicht mit
auf den Mond!"
"La le lu, nur der Mann
im Mond schaut zu,
wenn die kleinen
Babies schlafen..."
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Impressum
Ludwig van Beethoven: Mondscheinsonate
"Verpisst euch, Aliens!" Der Mann im Mond nimmt kein Blatt vor den Mund.
                                    © Pitopia                               
  
                                                            
Dieter Höss

Lied des Astronauten

Nach: "Der Mond ist aufgegangen" von    Matthias Claudius

Der Mond ist eingefangen,
von Sonden schon begangen,
von Fotos wohlvertraut.
Das All steht schwarz und schweiget,
doch aus Raketen steiget
schon hie und da ein Astronaut.

Noch ist der Kosmos stille
und in der Kapsel Hülle
so traulich und so hold
als wie ein leeres Zimmer,
das nur der Sterne Schimmer
erreichen und erhellen sollt.

Wenn wir darein nun treten,
was nützet unser Beten,
daß es so traulich blieb?
Da wir doch weiterfahren,
herrscht hier in ein paar Jahren
bestimmt der schlimmste Hochbetrieb.

Wir tollen Menschenkinder
sind mächtige Erfinder
und machen nirgends halt.
Wir holen uns die Sterne,
selbst Venus, die noch ferne,
und wenn es sein muß, mit Gewalt.

Wie bist du, Welt, von weitem
so still. Von deinem Streiten
spürt man hier keinen Hauch.
Herr, schütze mein Reisen
und laß mich ruhig kreisen -
und meinen toten Nachbarn auch.

1967 veröffentlicht - zwei Jahre,      bevor der erste Mensch den Mond betrat.
Oder: gerade auf dem Mond. Zum Zweck der Lebenserhaltung und
Gesundheit. Denn wer auf dem Mond zukünftig wohnt und arbeitet,
wird am eigenen Leib erfahren, wie lebensfeindlich dieses "poetische"
Gestirn ist.

Der Mensch auf dem Mond dürfte eine andere Sicht auf den
Erdtrabanten haben als der Mensch auf der Erde. Sie wird nicht von
Andacht, sondern von Ressourcenhunger geprägt sein. Der Kolonisator
ist kein Dichter, sondern ein Ausbeuter. Für die "schöne Architektur"
des Mondes wird er nichts übrig haben. Dafür schafft er (Gebrauchs-)
Architektur auf dem Mond - Immobilien für Long-stay-Missionen. 

Denn künftige Astronauten sollen sich bis zu einem halben Jahr auf
dem Gestirn häuslich niederlassen. Um mit Teleskopen so weit wie
noch nie ins All zu blicken. Oder um Ausflüge auf den Mars
vorzubereiten. Oder, und vor allem, um Frau Luna an die Wäsche zu
gehen, sprich: Bodenschätze abzugreifen. Der Mond wird's verkraften,
auf ihm gibt es kein Leben. Und die Erde würde entlastet. Aber die
lunare Poesie hätte für alle Zeiten ausgespielt...