Foto: Kolossos/CC BY 3.0
Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden
Architekt: Daniel Libeskind (New York)
Bauzeit: 2004-2011
Architekturen // Militär-Museum
"Hab mal 'Krieg und Frieden' gelesen. Danach hatte ich vom Krieg die Schnauze voll - und vom Lesen!"
"Mir reicht der 'Playboy', Bruder. Von dem hab ich nie genug - aber nur wegen der Artikel, hihi!"
Spielzeug-Stuka (1938)
Original V2-Rakete (1944)     © MHM
"Neckarauen.Neckarauen. Das macht einen ganz kirre im Kopf, das Wort. So könnte Deutschland sein, wenn es keinen Krieg gegeben hätte und wenn die Juden nicht vergast worden wären. Dann wäre Deutschland so wie das Wort Neckarauen."
Christian Kracht, Faserland

(Für "Neckarauen" ließen sich auch Elbauen einsetzen.)
Fischpass
Bauspiele
Militärhistorisches Museum
Tagungszentrum
Schlosshotel
Schiefermahlwerk + Kulturhaus
Universitätscampus
Evangelische Freikirche
Grimm-Zentrum
Regionale Schule
Bürohaus Dockland
Vinothek
Neue Synagoge
Hummerich-Halle
Food Hotel
Forum Confluentes
Mehrgenerationenhaus
Steinskulpturen-Museum
Ausflugsrestaurant
Lava Dome
*) Daniel Libeskind durfte beim Dresdner Projekt eigene Ideen verwirklichen. Dies nicht   
nur wegen seines Status als "Stararchitekt", sondern auch, weil es sich um einen staat-
lichen Auftrag handelte. Für öffentliche Bauherren sind soziale oder kulturelle Zwecke
häufig wichtiger als die Rendite. Lange Leine statt 'remote control' - die Baukunst selbst
soll stimuliert werden, denn sie unterstützt den kulturellen Zweck. Die im öffentlichen
Sektor vorgeschriebenen Wettbewerbe honorieren zusätzlich das Wagemutige, falls auch
die Jurys "wagemutig", nicht nur nach Proporz, besetzt sind, und falls die Wettbewerbe
sich öffnen für kleine, noch unbekannte Büros. Dann gilt: Geleitet von (Aufträgen) der
öffentlichen Hand, wachsen Architekten - ihr Können, ihr Image - heran. Und erhalten      
die Chance, einmal so groß zu werden wie ihr New Yorker Kollege.
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Wunde(r) aus Stahl und Beton
Moderne Architektur hatte es bisher nicht leicht in der rekon-
struktionswütigen Barockstadt Dresden. Mit einem Pauken-
schlag, der Eröffnung des umgebauten Militärhistorischen
Museums (MHM), hat sich das jetzt geändert. Die sieben Jahre
währende Sanierung des ehemaligen Hauptarsenalgebäudes 
und Armeemuseums der DDR ließ sich die Bundesrepublik  
62,5 Millionen Euro kosten. Das Ergebnis zieht die Dresdner
und Besucher aus ganz Deutschland magisch an. Architektur als
Massenevent - obwohl sie in diesem Fall mit "schöpferischer
Zerstörung" einherging...
Bug zeigt zum Ostragehege

Denn der Architekt* rammte einen 15.000 Tonnen schweren
Keil aus Stahl und Beton in den Mittelflügel des historistischen
Gebäudes (ähnlich wie es auch Günther Domenig mit seinem
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg
tat). Wie ein riesiger Schiffsbug ragt das Teil aus der Fassade des
Dreiflügelbaus mit seiner zentralen Attika, den Frontispizen,
Risaliten, Pilastern und rustizierten Sockeln. Der begehbare Bug
erlaubt dank seiner transparenten Verkleidung einen Ausblick
auf die Stadt. Er zeigt in Richtung Ostragehege, dorthin, wo im
Februar 1945 die ersten Bomben auf Dresden fielen.
Neuartige Konzeption

Damit wird deutlich: Der Keil, der den Altbau spaltet, ist Meta-
pher für die Wunde, die der Zweite Weltkrieg in der Dresdner
Geschichte hinterlassen hat (die britischen Bomber flogen die
Stadt in Keilform an). Zugleich ist er Symbol eines Neuanfangs.
Denn er teilt das Museum nicht nur räumlich, sondern auch
konzeptionell. Im sanierten Altbau wird ein chronologischer
Rundgang durch die Epochen der Militärgeschichte geboten. 
Der keilförmige Neubau dagegen ist thematischen Quer-
schnitten zur Kultur- und Sozialgeschichte von Militär, Krieg
und Gewalt vorbehalten. Hier wird dargestellt, "was mit den
Menschen im Krieg geschieht" (Libeskind).
Ein sehr deutscher Ort

Das neuartige Ausstellungskonzept zeigt den Menschen als
Opfer. Daher erscheint auch die Drastik der Darstellung
gerechtfertigt (Gestank von Schützengräben, Totenschädel,
angesprengter Geländewagen etc.). Sie soll keine Kriegs-
faszination, sondern Abscheu vor dem Krieg erzeugen. Dass der
Architekt einem Land entstammt, welches unter der deutschen
Geschichte des 20. Jahrhunderts besonders gelitten hat, unter-
streicht den Charakter des Museums als Antikriegs-Museum,
als Symbol der Wiedergutmachung - ein sehr deutscher Ort.

Die innovative Architektur des MHM folgt seiner innovativen
Nutzung und umgekehrt. Die Hülle passt zum Inhalt und der
Inhalt passt zur Hülle. Fortschrittliche Architektur kann Kata-
lysator für Fortschritte auch außerhalb der Architektur sein.
"Architektur ist vermutete Zukunft." www.axthelm-rolvien.de