FLVPlayer requires JavaScript and the latest Flash player. Get Flash here.
Fotos: W. Broemser
Forum Confluentes, Koblenz
Planung: Benthem Crouwel (Aachen/Amsterdam)
Bauzeit: 2011-2013
Architekturen // Kulturzentrum
"Dass sie mit Fahrstühlen aufs Dach fahren und Wache schieben können. Dabei haben die null Feinde - außer sich selbst."
Kultur in R(h-)einformat
"Da oben sehen die Koblenzer endlich, wie hässlich ihre Stadt ist!"                                                                                                                                                                                                                                                                       
Fischpass
Bauspiele
Militärhistorisches Museum
Tagungszentrum
Schlosshotel
Schiefermahlwerk + Kulturhaus
Universitätscampus
Evangelische Freikirche
Grimm-Zentrum
Regionale Schule
Bürohaus Dockland
Vinothek
Neue Synagoge
Hummerich-Halle
Food Hotel
Forum Confluentes
Mehrgenerationenhaus
Steinskulpturen-Museum
Ausflugsrestaurant
Lava Dome
Start |
Das Allerletzte |
Unten |
Etymologie |
Impressum
"Auf Kultur hab' ich null Bock, Brüder. Was reizt Menschen an Kulturzentren?"
Latein ist eine altehrwürdige Sprache...
"Diese Vertierung von Menschen finde ich höchst problematisch, Leute. Das ist toxischer Zoozentrismus!"
Kulturhaus Zweistromland
Zentralplatz 1
56068 Koblenz

Öffnungszeiten:
tägl. 10 - 18 Uhr
Luftbild: Stadt Koblenz
Lesen, schauen, staunen

Die drei Häuser empfangen den Besucher mit ihren Auftaktbereichen  
im Foyer des Forums. Hier nimmt ein dreißig Meter hohes Atrium seinen
Anfang und lenkt die Blicke nach oben. Der gigantische Lichthof wird  
nur durch das erste Obergeschoss unterbrochen, das wie ein abgeschlos-
sener Block die Bestände des Museums erstmals umfassend zeigt. Das
zweite bis fünfte Obergeschoss beherbergt die Stadtbibliothek. Der hier
durch alle Etagen reichende Luftraum lässt, wenn man auf der Roll-
treppe nach oben schwebt, die Gebäudemasse geradezu physisch er-
leben. Ein Panorama-Aufzug befördert den Besucher von der obersten
Etage auf das Dach des Gebäudes. Von hier aus schweift der Blick     
über die Koblenzer Innenstadt.
Ein Fels in der Strömung

Dank seinem dreieckigen Grundriss fügt sich der Kulturbau geschickt in
die beengte westliche Ecke des Platzes ein. Gemeinsam mit dem Ein-
kaufszentrum soll er die Fußgängerströme lenken, von diesen umspült
und abgeschliffen werden wie ein Fels in der Strömung. Der Vernetzung
mit der Außenwelt dienen Ausgänge zum neuen (verkleinerten) Zentral-
platz, der Clemensstraße und dem neu geschaffenen Trichterplatz.
Dieser bildet eine Engstelle zwischen Kultur- und Einkaufszentrum, die
verbirgt, was hinter der Kurve kommt, nämlich der Übergang zur
Koblenzer Altstadt. Indem die beiden Neubauten Wegbeziehungen
schaffen und zugleich Blickbeziehungen verstellen, erzeugen sie eine
reizvolle Spannung.
Diese Torte schüchtert ein

Kritiker werfen dem neunzig Millionen Euro teuren Kulturzentrum
Gigantismus und fehlende Maßstäblichkeit vor. Nicht zu Unrecht - wie
ein veredelter Hochbunker besetzt das Forum das Innere des Platzes,
erdrückt diesen mit seiner enormen Präsenz, die durch die Monotonie
der Fassade, die ihre Fenster hinter der Außenhülle versteckt, noch
verstärkt wird. Das von den Einheimischen "Bügeleisen" oder "Torten-
stück" titulierte Bauwerk schüchtert ein, statt einladend zu wirken. Es
enthält über 100.000 Kubikmeter umbauten Raum, aber nur 12.000
Quadratmeter Nutzfläche - der Koloss ist wie gebauter Meteorismus,
eine aufgedonnerte Luftnummer, ein Forum "Luftikus".
"Bilbao-Effekt" ist fraglich

Durch einen weniger großen Lichthof hätte sich ein komplettes Stock-
werk einsparen lassen. Doch hilft die Fülle an natürlicher Belichtung,  
die durch das Glasdach dringt, Strom einzusparen und das Haus als
Event-Architektur zu inszenieren. Denn dies ist das unausgesprochene
Ziel: Das hoch verschuldete Koblenz will sein dröges Image als Behörden-
und Bundeswehrstadt abstreifen, will mit einem Eisberg voller Kultur
und Luft Touristen und Neubürger anlocken. Ob aber der "Bilbao-Effekt"  
auch am Deutschen Eck funktioniert, erscheint fraglich. Spektakel-Archi-
tektur muss den richtigen Ort aufmischen, das heißt, der Ort muss selbst
schon Ansätze zum Spektakel in sich tragen. Auf einer Glatze lassen sich
bekanntlich keine Locken drehen. Und wenn Koblenzer ihre Stadt als
"großes Dorf" bezeichnen, klingt das verdächtig nach Glatze.
Sgraffito im Aufzug des Forums, das sich bisher nicht entfernen ließ.
Das neue Kulturzentrum der Stadt Koblenz haucht gemeinsam mit dem   
Forum Mittelrhein, einem Shopping-Center, dem lange brachliegenden
Zentralplatz der Stadt wieder Leben ein. Der auffällige Solitärbau besitzt
eine zweischalige Klimafassade mit einer Außenhülle aus weiß sieb-
bedrucktem Glas. Er bündelt die städtischen Kultureinrichtungen unter
einem Dach: das Mittelrhein-Museum - eines der ältesten bürgerlichen
Museen Deutschlands -, die Stadtbibliothek und die Touristeninfor-
mation. Der Name des Zentrums, "Forum Confluentes", verweist auf   
die Flüsse Rhein und Mosel, die am Deutschen Eck zusammenfließen.
O Lovely Moon |
Richard Tauber: Die Lorelei
> Zu hören im Romanticum, das  
den Besucher mit einem virtuellen
Dampfer ins Mittelrheintal ent-
führt. Überschneidet sich thema-
tisch mit dem Rhein-Museum in
Ehrenbreitstein und wird wohl
auch deshalb geschlossen. Das
Rhein-Museum am Fuß der Fes-
tung ist zudem näher bei den
Touristen. (Die Schließung be-
deutet also nicht, dass regionale
Museen obsolet sind. Sie bilden 
im Gegenteil ein wichtiges Pfund   
des Stadtmarketings.)
George Clarkson Stanfield:
Moselbrücke Koblenz, gemalt
1873 > Zu sehen im Mittelrhein-
Museum (Stanfields Landsmann
Turner war 1817 schon weiter!)
...aber für die Benennung eines Kulturzentrums, das auch Aus-wärtige anziehen soll, eher un-geeignet - "Forum Confluentes" muss zu sehr erklärt werden, lässt nicht erkennen, um was es sich handelt. Warum nicht "Kulturhaus Zweistromland"? Mit diesem Vor-schlag beteiligte sich der Autor erfolglos an einem Wettbewerb der Stadt. Und verwendet seitdem nur seine eigene Bezeichnung, wenn er über das Kulturzentrum spricht - ohne mit der Wimper zu zucken!